»Psychisch fit in der Grundschule: Unsere ›verrückten Familien‹« – Das Programm für die Primarstufe

Psychische Krankheiten kommen in den besten Familien vor. Darüber sprechen, Verständnis füreinander schaffen, sich zu helfen wissen – darum geht es in unserem Grundschulprogramm. Denn psychische Probleme von Erwachsenen sind niemals die Schuld der Kinder!

Psychische Erkrankungen kommen in den besten Familien vor

Etwa die Hälfte aller Menschen in Deutschland leidet im Laufe des Lebens an einer psychischen Krankheit, darunter auch viele Eltern. Wenn Millionen Erwachsene teils schwere psychische Gesundheitsprobleme haben, hat das Folgen für die Versorgung und das Aufwachsen der Kinder. Oft herrscht in den Familien Sprechverbot und die Kinder befinden sich in Loyalitätskonflikten. Manchmal müssen sie sich auch um ihre kranken Eltern kümmern und Aufgaben von Erwachsenen übernehmen. Das verunsichert Kinder: Sie fühlen sich schuldig und allein gelassen. Darum brauchen sie besonders viel Verständnis, Hilfe und Unterstützung, um ihr Leben gut zu meistern.

  • Alle Grundschüler*innen ab Klasse 3, ihre Klassenlehrkräfte sowie weiteres Schulfachpersonal (primärpräventiv).
  • Kinder psychisch erkrankter Eltern (sekundärpräventiv).
  • Das Lebensthema »Psychische Krisen in der Familie« in der Schule besprechbar machen: Stigma abbauen.
  • Kinder entlasten und entschulden.
  • Hilfesuchverhalten verbessern.
  • Schulgemeinschaft stärken.
  • Dreh- und Angelpunkt ist ein großes Wimmelbild, über das die Klasse Einblick in das Leben verschiedener Familien bekommt – mit all den kleinen und großen Sorgen. Dazu gehören auch psychische Probleme.
  • Gemeinsam sprechen wir darüber und finden Lösungen.
  • Die Schultage finden in der Schule statt.
  • Die Fortbildungen für Lehrkräfte finden im Präsenz- oder Onlinemodus statt.
Zwei Fachpersonen, die beruflich und persönlich Erfahrungen mit psychischen Krisen in der Familie und mit deren Bewältigung haben.

Ihre Ansprechpartnerin

Nora Lucaciu

Nora Lucaciu

Funktion
Projektleitung Grundschule

Telefon
+ 49 / 341 / 492561-81

E-Mail-Adresse
n.lucaciu@irrsinnig-menschlich.de

Weshalb der »Unsere ›verrückten‹ Familien«-Ansatz wirkt

Die Kinder …

  • setzen sich spielerisch mit dem Thema seelische Gesundheit auseinander und bringen ihre eigenen Lebenserfahrungen mit ein.
  • erfahren, dass es niemals die Schuld der Kinder ist, wenn Eltern (psychisch) krank werden und dass es stark ist, sich Hilfe zu suchen.
  • lernen Menschen und Angebote kennen, die helfen.
  • hinterfragen Stigma, Ängste und Vorurteile gegenüber psychischen Krankheiten.
  • finden heraus, was ihrer Seele guttut und was die Klassengemeinschaft stärkt, damit sich alle wohl fühlen und gut die Schule schaffen.

 

Die Lehrkräfte …

  • fühlen sich kompetent im Umgang mit dem Thema psychische Gesundheit.
  • haben eigene Ängste und Vorurteile reflektiert und hinterfragt.
  • wissen, wie sie Kinder psychisch kranker Eltern stärken können.
  • sind sich ihrer Rolle als Entlaster*innen, Wegweiser*innen und Lots*innen für Schüler*innen bewusst.
  • wissen, wo sie professionelle Hilfe und Unterstützung für sich und ihre Schüler*innen finden können.

»Es ist so wertvoll, dass die Schüler*innen an diesem Projekttag den Raum und die Möglichkeit bekommen, sich mit dem schweren Thema ›Psychische Erkrankung‹ auseinanderzusetzen und darüber zu sprechen. Für manche ist es wahrscheinlich das erste Mal, dass sie hören, dass sie damit nicht allein sind.«

Schulsozialarbeiterin an der Kurt-Masur-Schule, Grundschule der Stadt Leipzig

Daten und Fakten zur psychischen Gesundheit von Grundschüler*innen

  • Ungefähr 3 bis 4 Millionen der in Deutschland lebenden Kinder und Jugendlichen wachsen mit mindestens einem psychisch kranken Elternteil auf.
  • Das bedeutet, dass es in jeder Schulklasse etwa 2 bis 5 Kinder mit mindestens einem psychisch erkrankten Elternteil gibt.
  • Kinder psychisch kranker Eltern sind eine besonders vulnerable Gruppe. Sie haben ein erhöhtes Risiko, selbst eine psychische Erkrankung zu entwickeln.
  • Die Folgen der Coronapandemie haben die psychischen Belastungen in der Bevölkerung noch verstärkt – insbesondere bei Heranwachsenden aus sozial benachteiligten Familien.

 

Quellen: