Aktuelles von Irrsinnig Menschich e.V.
Aktuelle Informationen zu Irrsinnig Menschlich e.V.

Unsere aktuellen Beiträge zu unserer Prävention im Bereich psychische Gesundheit. Kontaktieren Sie uns gerne, falls Sie Fragen zu Irrsinnig Menschlich e.V. haben.

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Aktuelles

„Verrückt? Na und!“ im Hörfeature bei Deutschlandfunk Kultur

Wir sind froh, dass das Thema Psychische Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen in der Öffentlichkeit gerade mehr berechtigte Aufmerksamkeit erhält. So wie jüngst in einem Feature von Carina Schroeder für Deutschlandfunk Kultur. 

„Für mich hat sich das angefühlt wie ein ganz dunkler, schwarzer Raum, wo nur ich bin und kein anderer. Und so sehr ich es auch wollte, Licht in diesen Raum zu lassen, Leute da rein zu lassen, ich konnte es nicht. Es war wie verschlossen. Ich bin da nicht rausgekommen“, sagt die 15-jährige Savanna, die sich nach Alkoholmissbrauch und Selbstverletzung schließlich freiwillig in die Kinder- und Jugendpsychiatrie begibt. Und sie berichtet auch von ihrem Rückzug, ihrer tiefen Traurigkeit, die sie anfangs für normal hielt. Carina Schroeder begleitet das Mädchen ein halbes Jahr lang auf ihrem Genesungsweg und recherchiert daneben zu Ursachen und Präventionsmöglichkeiten psychischer Erkrankungen. Sie kommt auch nach Leipzig, um mit Manuela Richter-Werling über das bewährte Programm „Verrückt? Na und!" ins Gespräch zu kommen. „Wissen, Aufklärung und Kontakt. Das ist die einzige Strategie, die belegt ist, dass es zur Vorbeugung von psychischen Erkrankungen nützlich ist. Es gibt kein drum herum reden“, weiß diese. So auch nicht bei Savanna: Sie redet über ihre psychische Krise mit ihren Mitschüler*innen und stößt auf offene Ohren.

Dass der Redebedarf bei Kindern und Jugendlichen zum Thema psychische Gesundheit hoch ist, wissen auch unsere Expert*innen, die sich unermüdlich in den „Verrückt? Na und!"-Schultagen dafür einsetzen, dass die Stigmatisierung von Betroffenen abnimmt und Hilfe rechtzeitig in Anspruch genommen wird. Wie schön, dass wir die Gelegenheit hatten, diese wertvolle Arbeit im Radio vorzustellen! 

Wir wünschen Savanna und ihrer Familie alles Gute und bedanken uns bei Carina Schroeder für die gute Zusammenarbeit.

Nachzuhören und -lesen gibt es das gesamte Hörfeature hier.

20 Jahre Irrsinnig Menschlich e.V. – Geburtstagsbrief in Corona-Zeiten

Liebe Unterstützer*innen, Förder*innen und Freund*innen von Irrsinnig Menschlich e.V., 

seit 20 Jahren begeistern wir junge Menschen in Schule, Studium und Ausbildung für psychische Gesundheit – national und international. Bei unserer Gründung im Jahr 2000 hätten wir das nicht für möglich gehalten. Eine geniale Erfolgsgeschichte aus dem Osten. Das wollten wir 2020 mit Ihnen, mit Euch feiern!  

Mein Name ist Manuela Richter-Werling. Sicher hätte ich als Gründerin ein paar Worte an Sie gerichtet über das, was wir geschafft haben und mehr noch über das, was vor uns liegt. Die Corona-Pandemie macht es unmöglich, obwohl wir Irrsinnig Menschlichen so krisenerprobt sind, weil wir oft mit Krisen zu tun haben.

Deshalb schreibe ich in diesem Brief ein paar Gedanken auf, die mich umtreiben und die ich gern mit Ihnen teilen möchte. Denn in meiner Familie zeigt sich die gesellschaftliche Notwendigkeit der Prävention psychischer Erkrankungen wie in einem Brennglas.

Mein Brief an Sie ist „altmodisch“ lang geworden. Das hat damit zu tun, dass psychische Krankheit, wenn sie früh beginnt und viel Raum hat, sich zu entwickeln, oft lebenslang da ist und großes Unglück verursacht, und das nicht nur bei den unmittelbar betroffenen Menschen. Bei guter Prävention psychischer Erkrankungen wäre dieser Brief weitaus kürzer geworden.

Bitte nehmen Sie sich die Zeit, ihn zu lesen und mit mir und uns in den Austausch zu kommen. Ich danke Ihnen!

Der Anfang

Als wir Irrsinnig Menschlich e.V. gründeten, arbeitete ich noch als Journalistin für Funk und Fernsehen und dachte, Psychiatrie „gleich“ spannende Menschen, „gleich“ spannende Geschichten. Mich hat schon immer fasziniert, wie Menschen es schaffen, schmerzliche, schreckliche, ja lebensbedrohliche Ereignisse zu überstehen und daran offensichtlich noch zu wachsen. Dass meine Leidenschaft für seelisch gutes Aufwachsen von Kindern und Jugendlichen so stark mit meiner Lebensgeschichte verbunden ist, habe ich lange Zeit nicht gemerkt, verdrängt und ausgeblendet, auch als ich Irrsinnig Menschlich e.V. mitbegründet und unser so erfolgreiches Präventionsprogramm „Verrückt? Na und! Seelisch fit in der Schule“ entwickelt habe. Psychische Krisen und Krankheiten gehören zu meiner Herkunftsfamilie, haben eine lange „Tradition“ und wirken über Generationen. Wer damit aufwächst, „gewöhnt“ sich daran, Kinder wahrscheinlich viel schneller als Erwachsene. Dazu später mehr.

Der große Zusammenhang

Psychische Gesundheit der Bevölkerung zu fördern und psychischen Erkrankungen vorzubeugen, lohnt sich: Wohlbefinden, Lebensqualität und Stabilität von Gesellschaften steigen. Kurzum: Psychische Gesundheit verbunden mit einer guten Gemeinschaft, auf die wir in schlechten Zeiten zurückgreifen können, ist essentiell für unser Leben, der „Glücksfaktor“ schlechthin. Das zeigt nicht zuletzt aktuell die Corona-Pandemie.

Dagegen gelten psychische Krankheiten als Unglücksfaktor. Nach Aussagen der WHO ist jeder dritte Mensch im Verlaufe seines Lebens davon betroffen. Während körperliche Erkrankungen oft erst im späteren Lebensalter zum ernsthaften Problem werden, suchen psychische Erkrankungen wie Depressionen, Angststörungen und Suchterkrankungen Menschen jeden Alters heim: jedoch am stärksten Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene. Studien weisen nach, dass 75 % aller psychischen Störungen vor dem 20. Lebensjahr beginnen. 20 bis 30 % der Kinder und Jugendlichen gelten als psychisch auffällig; 12,4 % von ihnen sind sozial und familiär stark belastet. Dazu kommen ca. 5 Mio. Kinder, deren Eltern psychisch krank sind. Nur wenige bekommen rechtzeitig passende Hilfen. Entwicklungsschritte, wie die Schule zu schaffen und den Übergang in Ausbildung und Beruf, die eigene Identität zu finden, Liebe, Partnerschaft, eine Familie zu gründen etc. sind oft beeinträchtigt. Die Folgen: großes persönliches Leid, wie Abhängigkeit von Sozialsystemen, Straffälligkeit, hohes Suizidrisiko, Frühverrentung und immense gesellschaftliche Kosten. Die belaufen sich bei seelischen Erkrankungen auf 44,4 Milliarden Euro direkte Kosten. Oft sind immer wieder dieselben Menschen betroffen, lebenslang. Deshalb müssen psychische Probleme bei jungen Menschen früher erkannt, erfolgreicher vermieden, angemessen behandelt und besser bewältigt werden.

Das Alltägliche

Was ich hier im Großen beschrieben habe, konnten, mussten, durften wir als Familie „testen“: Mutter, Vater, drei Kinder, ein Junge, zwei Mädchen. Mein großer Bruder, 13 Monate älter als ich, war in meiner Erinnerung schon immer auffällig: zu klein, zu dünn, kränklich, immer neue „Macken“ – von mondsüchtig über zwanghaftes Händewaschen und Dinge ordnen, bis zu großer Ängstlichkeit und starken Schlafstörungen. Die Erwachsenen sprachen oft über ihn und machten sich viele Gedanken, weil er keine Freunde hatte. Er sei eben ein „Eigenbrötler“, aber auch der „Stammhalter“ und sollte etwas werden. Ich, die wenig jüngere Schwester, galt dagegen als zu groß, zu dick, „handzahm“, die unauffällig ihr Ding macht und meine sechs Jahre jüngere Schwester als Sonnenschein. Eine ganz normale Familie eben. Jeder hat seinen Platz. In der Pubertät verstärkten sich die Eigenheiten meines Bruders. Heute würde man sagen Depressionen, Ängste und Zwänge. In der Schule, wir gingen 12 Jahre zusammen in eine Klasse, war mein Bruder gut, sozial angepasst, wenngleich sehr zurückhaltend, gute und sehr gute Noten. Was Mitschüler*innen und Lehrkräfte freilich nicht wussten, mit welcher Energie mein Bruder die „perfekte Maske“ jeden Tag aufrechterhalten hat. Machte ich z.B. eine Stunde Hausaufgaben, saß mein Bruder bis Mitternacht, kam früh kaum aus dem Bett und erreichte in letzte Minute schweiß-und angstgebadet die Schule. Wahrscheinlich könnte man mit dieser Energie ganze Städte beheizen. Ich, als Schwester, hatte auch ein großes Paket zu tragen, unbewusst natürlich: u.a. jeden Morgen Angst und Sorge, schafft es mein Bruder in die Schule unter all den Umständen und Auseinandersetzungen, die sein Verhalten auslöste. Meine Aufgaben: Aufpassen, Einlenken, Schönreden, Kümmern, Schützen, Vorausschauen, „Gefahren“ früh erkennen und abwehren…

Die Schuld

Ohne, dass wir es als Familie bemerkten, fing mein Bruder an, sich selbst zu medikamentieren, so heißt das Fachwort. Alkohol, Tabletten, alles, was es gab zum „Aufputschen“ und Runterkommen. Dazu kamen Suizidgedanken. Keiner hat es gemerkt und darüber gesprochen, obwohl im Nachhinein vieles auffällig und komisch war. Später galt mein Bruder als von Alkohol und Tabletten abhängig, an Depressionen, Zwängen und Ängsten erkrankt, hatte etliche Klinikaufenthalte und ambulante Therapien. Meine Eltern haben sich in Angehörigengruppen engagiert, vielen anderen Eltern geholfen und natürlich immer wieder ihrem Sohn. Mit 56 Jahren hat er sich das Leben genommen.

Noch immer streiten sich meine hochbetagten kranken Eltern, welche Familie an der tragischen Entwicklung meines Bruders „schuld“ sei: die mütterliche oder väterliche.

Hilfe, Hoffnung, Normalität

Ich bin mir ziemlich sicher, wenn es damals schon so etwas wie das von uns entwickelte und verbreitete Präventionsprogramm „Verrückt? Na und!“ gegeben hätte, wäre mein Bruder möglicherweise noch am Leben, weil er gehört hätte, dass er nicht allein mit seinen komischen Gedanken ist, dass man darüber sprechen darf, dass es Hilfe gibt, dass es normal ist. Und auch ich, als seine Schwester, hätte mich entlastet gefühlt, hätte bestimmt mit meinem Klassenlehrer darüber gesprochen und Verständnis in meiner Klasse gefunden. Was mich so sicher macht? Beim letzten Klassentreffen vor drei Jahren, mein Bruder fehlte, es war kurz nach seinem Suizid, waren psychische Erkrankungen das zentrale Thema. Fazit in meiner Klasse: Zwei Suizide von Mitschülern wegen psychischer Krankheit. Ein Mitschüler leidet an Psychosen, seine Kinder auch, zwei Mitschüler*innen waren wegen Burnout in Behandlung, ich selbst habe eine mittelschwere Depression gut überstanden. Wahrscheinlich ist die Dunkelziffer noch höher.

PS: Später kam übrigens heraus, das die Depression in unserer Familie liegt, wie bei anderen Familien Magengeschwüre oder Diabetes, und dass es schon mehrere Suizide gegeben hat.

Seelische Krisen sind normal, haben „gute“ Gründe und gehören zum Aufwachsen. Häufig verbergen sie sich hinter Problemen wie Drogen, Alkohol, Mobbing, Gewalt, Schulabstinenz, Schulabbruch und suizidalem Verhalten. Seelische Krisen beeinträchtigen das Klassenklima, den Schulerfolg und werden oft zuerst von Lehrkräften erkannt. Die meisten Menschen überstehen seelische Krisen und wachsen daran! Das ist die gute Botschaft.

Die schlechte ist, dass seelische Krisen und Erkrankungen mit Ängsten, Vorurteilen und Stigmata behaftet sind, weil sie den ganzen Menschen betreffen: sein Denken, Fühlen und Verhalten. Deshalb haben viele Menschen Angst, darüber zu sprechen und sich rechtzeitig Hilfe zu suchen. Sie befürchten, als verrückt abgestempelt zu werden, dass andere davon erfahren und Gerüchte darüber verbreiten, dass sie Medikamente nehmen müssen und in eine Klinik eingewiesen werden. Sie haben Angst, nichts mehr wert zu sein und aus der Gemeinschaft ausgeschlossen zu werden! Um Stigmatisierung und Ängsten entgegenzuwirken, empfiehlt die Forschung eine Kombination aus Information, Aufklärung und Kontakt mit Menschen, die psychische Krisen meistern mussten. Dieser Strategie folgen wir in all unseren Programmen.

Daten, Fakten, Strategien

Vier einfache Gründe für die Prävention psychischer Erkrankungen

  1. Psychische Erkrankungen sind häufig und verursachen viel Leid für die betroffenen Menschen, ihre Angehörigen und ihr Umfeld sowie hohe gesellschaftliche Kosten.
  2. Wie bei körperlichen Erkrankungen ist es besser, das Auftreten von Krankheit zu verhindern als erst nach Krankheitsbeginn aktiv zu werden.
  3. Psychische Erkrankungen beginnen früh, etwa die Hälfte bis zum 15. Lebensjahr, drei Viertel bis 25. Lebensjahr. Erfolgreiche Prävention sorgt für Jahrzehnte erhaltener Gesundheit, sozialer Teilhabe, Arbeitsfähigkeit usw., kurz – Lebenszufriedenheit!
  4. Die Erfolgsrate psychiatrisch-psychotherapeutischer Behandlung ist begrenzt. Das zeigen Modellrechnungen am Beispiel der Depression: Selbst wenn alle depressiv erkrankten Menschen an evidenzbasierten Behandlungen teilnähmen, ließe sich ihre Krankheitsbelastung in Form verlorener gesunder Lebensjahre nur um ca. ein Drittel reduzieren. Die verbliebenen zwei Drittel lassen sich nur vorbeugend angehen. Tatsächlich ist Prävention psychischer Erkrankungen noch wichtiger, denn nur eine Minderheit der Betroffenen nimmt überhaupt wirksame Behandlung in Anspruch, auch aus Furcht vor Stigmatisierung und Etikettierung, sowie aufgrund der Strukturen des Versorgungssystems.

Wieso Prävention psychischer Gesundheit vernachlässigt wird

Das Stigma ist einer der Hauptgründe dafür. Zwei Faktoren spielen dabei eine Rolle:

  1. Öffentliches Stigma und strukturelle Diskriminierung führen dazu, dass psychische Gesundheit politisch im großen Bereich der Präventionsmaßnahmen nicht priorisiert und in der Folge Prävention unzureichend finanziert und implementiert wird.
  2. Öffentliches Stigma, Selbststigmatisierung und Scham erschweren die Teilnahme an Präventionsmaßnahmen, wenn sie denn zur Verfügung stehen. Das ist vergleichbar mit dem Problem von Stigma als Barriere für das Hilfesuchen.

Das Prinzip von Prävention im Bereich psychischer Gesundheit

Es geht darum, individuell und gesellschaftlich Verhalten zu üben, das unsere psychische Gesundheit erhält und fördert. Ein beredtes Beispiel für präventive Verhaltensänderung ist das Gurtanlegen beim Autofahren. Wird das Verhalten in der Gesellschaft selbstverständlich, rettet es Leben und Gesundheit zahlloser Autofahrer*innen und Beifahrer*innen.

Wieso es sich für die Gesellschaft lohnt, in die Prävention psychischer Erkrankungen zu investieren

Dafür gibt es gute Gründe, neben der ethischen Verpflichtung, vermeidbares Leid zu verhindern. Und dafür muss man kein „Gut-Mensch“ sein:

Die Kosten für Prävention werden mehr als aufgewogen durch vermiedene Folgekosten! Das belegen Studien hinreichend.

  1. Präventionsarbeit, insbesondere mit jungen Menschen, kann Nutzen über Jahrzehnte erbringen.
  2. Der Nutzen von Prävention beschränkt sich nicht auf das Gesundheitssystem, sondern führt zu Einsparungen in Bereichen wie Schule, Ausbildung, Beruf, Sozialleistungen und Justiz.
  3. Besonders starke ökonomische Argumente gibt es für Präventionsmaßnahmen im Bereich Kinder und Jugendliche.

Es ist wirtschaftlich und ethisch geboten, heute die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen zu fördern, damit weniger von ihnen die arbeitslosen und kranken Menschen von morgen sein werden!

Wieso es bei der Prävention psychischer Erkrankungen nur selten ein abgestimmtes Vorgehen und gemeinsames Budget gibt

Man sollte meinen, der Nutzen von Prävention in den verschiedenen Bereichen erleichtere die Umsetzung von Prävention. Doch das Gegenteil scheint der Fall zu sein. Denn in Bezug auf Finanzierung, Verantwortlichkeit und Eintrittsregeln sind die Systeme von Gesundheit, Bildung, Arbeit, Sozialhilfe und Justiz so stark getrennt, dass ein abgestimmtes Vorgehen und gemeinsames Budget für Prävention sehr selten gelingen. Die mehrere Bereiche betreffenden positiven Auswirkungen werden nicht einmal zur Kenntnis genommen, geschweige denn danach gehandelt. Das seit 2016 gültige Präventionsgesetz hat zur Verbesserung der Strukturen und Koordination nicht erkennbar beigetragen.

Ein Unterschied zur Prävention körperlicher Erkrankungen ist, dass Ursachen und Folgen psychischer Erkrankungen wesentlich komplexer und fragmentierter sind.

Kleiner Aufwand – Große Wirkung

Lassen Sie uns gemeinsam schauen, wie wir mit vereinten Kräften die Prävention psychischer Krisen und Erkrankungen insbesondere bei jungen Menschen endlich zur Selbstverständlichkeit werden lassen können. Bislang ist das immer noch die Ausnahme: 2019 haben wir mit unseren Präventionsprogrammen ca. 40.000 Schüler*innen, Studierende und Auszubildende erreicht. Das müssen entschieden mehr werden. Denn die beste Intervention richtet wenig aus, wenn sie keine hohe Durchdringung erreicht, also nicht im Alltag ankommt.

Dringend nötig ist ein Ansatz, der psychische Erkrankungen mit ihren weitreichenden sozialen Ursachen und Folgen über alle Politikbereiche hinweg priorisiert.

Bitte setzen Sie sich dafür ein und lassen Sie uns dazu im Gespräch bleiben!

Lassen Sie uns die Glücksquelle psychisches Wohlbefinden gemeinsam zum Sprudeln bringen und solidarisch verbunden mit allen kleinen und großen Menschen sein. Nur gemeinsam haben wir die Kraft, Krisen zu überwinden und daran zu wachsen!

Herzlichen Dank und gute Gesundheit!

Dr. Manuela Richter-Werling, Gründerin und Geschäftsführerin von Irrsinnig Menschlich e.V.

Erster Preis der Ferry Porsche Challenge

Wir wissen es schon länger. Und endlich können wir es mit  teilen: Einer der vier ersten Preise der ersten Ferry Porsche Challenge geht an Irrsinnig Menschlich e.V.
Ein herzliches Dankeschön an die Ferry-Porsche-Stiftung und an alle, die mittun, an uns glauben, uns unterstützen!

PS: Und herzliche Glückwünsche an alle weiteren Preisträger*innen.


V. l. n. r.: Cordula Rosch, Manuela Richter-Werling, Andreas Haffner, Jan Emendörfer

 

Erster Preis: 100.000 Euro für „Verrückt? Na und!“

„Wir unterstützen Menschen, die Verantwortung übernehmen, anderen helfen und die Welt besser machen“, so Oliver Blume, Kuratoriumsvorsitzender der Ferry-Porsche-Stiftung und Mitglied der Jury der Ferry Porsche Challenge. „Mit der Challenge fördern wir nachhaltige Projekte, kreative Ideen und neue Initiativen. Sie ist eine Brücke, um das Leben lebenswerter zu machen.“ „Verrückt? Na und! Seelisch fit in der Schule“ gehört dazu. Mit der Förderung der Ferry Porsche Challenge können wir gemeinsam mit unseren Kooperationspartnern im Raum Stuttgart deutlich mehr Schultage für Schüler*innen und Lehrkräfte in der Region Leipzig und Stuttgart anbieten.
Zu dem Preisgeld gibt es noch 8.000 Euro Corona-Hilfe für „Verrückt? Na und!“ dazu. Zum YouTube-Video der Preisverleihung.

Rund 600 Mitbewerber

Um die Fördergelder hatten sich seit Oktober 2019 rund 600 Projekte im Raum Stuttgart und Leipzig in einem mehrstufigen Wettbewerb beworben. Rund 70.000 Menschen gaben bis Februar 2020 ihre Stimme für ihr Herzensprojekt ab. Aus den 35 meist-geklickten Projekten wählte die Jury der Ferry Porsche Challenge nun 20 Preisträger.
ferry-porsche-challenge.de/der-wettbewerb/

Die Jury

Im Mai 2020 entschied eine unabhängige Jury, bestehend aus dem Kuratorium der Stiftung, den Oberbürgermeistern der Städte Leipzig und Stuttgart sowie den Chefredakteuren der Medienpartner, über die Platzierung der 20 überzeugendsten Konzepte und wählte die Gewinner der Sonderpreise für ehrenamtliches Engagement aus.
ferry-porsche-challenge.de/gremien

Die Ferry Porsche-Stiftung

Erst 2018 wurde die Ferry-Porsche-Stiftung gegründet. Sie fördert und initiiert gemeinnützige Projekte in den Bereichen Bildung und Wissenschaft, Soziales, Umwelt, Kultur und Sport. Mit ihrem gesellschaftlichen Engagement will die Stiftung vor allem junge Menschen an den Unternehmensstandorten der Porsche AG unterstützen. Namensgeber ist Ferry Porsche, der 1948 die Sportwagenmarke Porsche gründete. www.ferry-porsche-stiftung.de

Jahres- und Wirkungsbericht 2019

 

20 Jahre Irrsinnig Menschlich e.V.! Da sind wir immer noch und haben viel zu tun. Empirisch wird übereinstimmend festgestellt, dass psychische Belastungen und Erkrankungen keineswegs nur in Einzelfällen auftreten, sondern dass sie fester Bestandteil menschlichen Daseins sind – weltweit, häufig, besonders jüngere Menschen betreffend und für sie besonders lebensbelastend. Diese wissenschaftliche Beobachtung ist keineswegs im öffentlichen Bewusstsein angekommen. Wir bohren also nach wie vor »dicke Bretter«, sonst wären wir nicht irrsinnig menschlich!  

2019 haben wir mit unseren Programmen über 40.000 Menschen direkt erreicht und begeistert, darunter 35.000 Schüler*innen, 2.300 Studierende, 4.000 Lehrkräfte und 500 Hochschulmitarbeiter*innen. Lesen Sie mehr in unserem Jahres- und Wirkungsbericht 2019. 

 

Jahres- und Wirkungsbericht 2018: Glücksquelle psychische Gesundheit

Über 30.000 junge Menschen haben wir 2018 klassenweise, hörsaalweise und in der Ausbildung mit unseren Präventionsprogrammen begeistert.

Dazu kommen ca. 3.000 Lehrkräfte und weitere Multiplikatoren in Schule, Berufsschule, Hochschule, Organisationen und Unternehmen. So viele wie nie zuvor in der Irrsinnig Menschlich-Geschichte. Das zeigt, dass unsere Präventionsprogramme den Nerv der Zeit treffen.

Zwei neue Evaluationen durch die Universität Leipzig belegen eindrucksvoll positive Wirkung und Nutzen unserer Präventionsprogramme im Setting Schule und Hochschule.

Zum Jahresbericht 2018

Verrückt? Na und!: Ein Präventionsprogramm mit Riesenpotenzial

Das sagen McKinsey & Company und Ashoka. Beide haben aktuell vier Soziale Innovationen hinsichtlich ihres ökonomischen Potenzials untersucht. Wir sind eines der vier Sozialunternehmen, das mit unserem erfolgreichen Präventionsprogramm „Verrückt? Na und! Seelisch fit in der Schule“ in den Fokus genommen wurde.
„Verrückt? Na und!“ reduziert Zugangsbarrieren ins Hilfesystem. Daraus ergibt sich laut Studie folgendes finanzielle Potenzial:

„80 Millionen Euro für jeden Prozentpunkt an erkrankten Schülern, die sich in einem Schülerjahrgang zusätzlich in frühzeitige Behandlung begeben, insbesondere auf Grund der Vermeidung indirekter Folgekosten“.

 

Die Publikation zum Download:

2019_ashoka_mckinsey_wenn_aus_klein_systemisch_wird

Nachgefragt: Was motiviert unsere Regionalgruppen besonders?

Jahresrückblick 2018: wir haben bei unseren Regionalgruppen nachgefragt, was für ihre Arbeit im Programm „Verrückt? Na und! Seelisch fit in der Schule" wichtig war. Was gut gelaufen ist, wobei wir noch unterstützen können und was sie antreibt. Ein Blitzlicht. 

 

Presseschau: Neues aus dem Saale-Holzland-Kreis

„Die Regionalgruppe Saale-Holzland freut sich über weitere Unterstützung.", schreibt die Ostthüringer Zeitung am 19. Januar 2019.

„Das Jahr 2018 war für uns sehr erfolgreich. Wir waren bei zwölf Projekten an Regelschulen, Gymnasien und der Fachschule für Landwirtschaft präsent – und das in einem Einzugsbereich von Crossen an der Elster bis Dorndorf-Steudnitz“, sagt Walther-Koch, Regionalgruppenkoordinatorin im Saale-Holzland-Kreis. 

15 Aktive, 5 neue persönliche ExpertInnen, eine voll motivierte Gruppe: solche positive Nachrichten zum Jahresbeginn freuen uns ganz besonders. Besonders weil wir wissen, dass es 2018 in vielen unserer Regionalgruppen ähnlich gut gelaufen ist. Bisher wurden bundesweit 814 Verrückt? Na und!-Schultage gemeldet. 

Ein herzliches Dankeschön an Frau Walther-Koch und ihr Team  – stellvertretend für all unsere Kooperationspartner. Nur durch unsere engagierten Regionalgruppen können wir deutschlandweit an Schulen aktiv sein.

 

Verrückt? Na und!-Menschen: Aus dem Furchtbaren etwas Fruchtbares machen!

Ich heiße Insa Schmitter: Wieso ich mich bei Psychisch fit lernen, studieren und arbeiten engagiere?

Mit meinen 26 Jahren liegt die Schule, das FSJ und die Ausbildung noch nicht lange hinter mir – Abschnitte, die wir alle durchlaufen, mit mal mehr, mal weniger Hürden und Schwierigkeiten. Ich habe all diese Abschnitte hindurch mit einer psychischen Erkrankung bewältigen müssen. Ich hatte weder Hilfe an meiner Seite, noch wusste ich, wo und wie ich welche bekommen konnte. Hätte ich in diesen Jahren einen Projekttag wie „Verrückt? Na und!“, einen in Sachen „Umgang mit Krisen“ geschulten FJS-Anleitenden oder ein Seminar zum Thema „Psychisch fit studieren“ gehabt, so hätte ich mich sicherlich nicht nur früher in eine medizinische Behandlung begeben, sondern hätte auch gewusst:

1.) Wie ich mir selbst helfen kann.

2.) dass es voll in Ordnung ist, wenn man sich schlecht fühlt, oder „komische Sachen“ (= Symptome) erlebt, die einen zunehmend entgleiten.

3.) dass man sich Hilfe holen und wo man sie finden kann.

4.) dass man nicht alleine ist

5.) dass andere einen wahrnehmen und einem vielleicht sogar Hilfe anbieten.

 

Hätte ich einen solchen Projekttag in diese jungen Jahren mit meiner psychischen Erkrankung erlebt, so hätte ich Sicherheit, Verbundenheit und Orientierung erfahren können – Dinge, die einem ja ganz besonders abhanden kommen in einer psychischen Krise. Und so ein Projekttag kann der erste Schritt sein, den Mut zu finden, Hilfe zu suchen, oder auch, die Dinge überhaupt erst einmal besser zu verstehen.

Und natürlich muss man auch noch nicht psychisch krank sein, damit ein solcher Tag einem für das ganze Leben etwas zu bringen vermag: So wie man weiß, dass man sich bei Bauchschmerzen eine Wärmflasche und einen Tee macht, so weiß man sich nun ebenso zu helfen, wenn man seelische Schmerzen hat und kann intervenieren. Man lernt außerdem, nicht nur auf sich selbst zu schauen, sondern auch auf seine Mitmenschen zu achten, wird sensibler und verständnisvoller. All das trägt ungemein viel dazu bei, gesund zu sein, zu bleiben – oder im Falle einer schon bestehenden Erkrankung – zu werden.

Ich engagiere mich als Persönliche Expertin an diesen Projekttagen, weil ich natürlich gerne meine Erfahrungen weitergeben und aus dem Furchtbaren etwas Fruchtbares gestalten möchte, aber auch, weil ich denke, dass der Umgang mit seelischen Krisen und das Wissen darum ebenso selbstverständlich sein sollte wie es die Feuerübung in der Schule, oder der Erste-Hilfe-Kurs vor dem Führerscheinerwerb sind. Dinge, die alltäglich sind und wichtig zu wissen, um sich und anderen im Fall der Fälle gut helfen zu können.

Ich bin sehr dankbar, dass es ein solches tolles Präventionsprojekt gibt, ich dabei sein und es unterstützen darf. Und ich bin tief davon überzeugt, dass jeder etwas aus diesem Tag für sich mitnimmt und sich daran zurück erinnern wird, wann immer er eine Krise erlebt (und wenn sie erst 20 Jahre später auftritt).  So wie ich als Schülerin, FSJlerin und Auszubildende ganz sicher etwas daraus mitgenommen und mir viel, viel eher Hilfe ersucht hätte, wenn es einen solchen Tag vor vierzehn Jahren an meiner Schule oder im Ausbildungsbetrieb gegeben hätte.

Mein Lebensspruch: Da hab ich keinen, dafür ein Mutmach-Lied von Rolf Zukowski: „Ich schaff das schon“. Und ich lasse mich von zwei Dingen leiten, die ich durch meine chronische psychische Erkrankung gelernt habe: 1. Die selbstverständlichsten Dinge sind die wertvollsten Dinge. Ich bin tief dankbar, sie wieder erleben zu dürfen. 2. Man darf sich ganz getrost mehr auf sein Bauchgefühl verlassen. Es trügt nie.

Mein Wunsch für 2019: Endlich zu studieren (Psychologie)! Und ganz sehr das genießen, was ich wiedererlangt habe…