Nachgefragt: Was motiviert unsere Regionalgruppen besonders?

Jahresrückblick 2018: wir haben bei unseren Regionalgruppen nachgefragt, was für ihre Arbeit im Programm „Verrückt? Na und! Seelisch fit in der Schule" wichtig war. Was gut gelaufen ist, wobei wir noch unterstützen können und was sie antreibt. Ein Blitzlicht. 

 

Verrückt? Na und!-Netzwerk zum bundesweiten Treffen in Leipzig 2018

 

Was motiviert unsere Regionalgruppen besonders?

 „Die vielen positiven Rückmeldungen der SchülerInnen, Lehrerkräfte und SozialarbeiterInnen motivieren uns immer wieder und die Tatsache, dass nach den Schultagen häufig einzelne SchülerInnen mit einer Anfrage nach Unterstützung in unsere Sozialpsychiatrische Ambulanz kommen. Wir haben das Gefühl, dass wir einen guten Beitrag leisten zur Entstigmatisierung und Information über psychische Krisen und Erkrankungen.“
(Regionalgruppe Leverkusen)

 

Das zunehmende Interesse der Schulen bzw. Lehrkräfte an dem Thema seelische Gesundheit.“
(Regionalgruppe Offenburg)

 

Schulen buchen mittlerweile über Jahre hinweg schon regelmäßig Projekttage bei uns und sehen dies als große Bereicherung ihres Lehrplans an.“
(Regionalgruppe Lahn-Dill-Kreis Nord)

 

Das Durchhaltevermögen und Engagement unserer persönlichen ExpertInnen ist beeindruckend. Sie motiviert die Freude und Offenheit, etwas Neues auszuprobieren. Die Wichtigkeit, präventiv zu arbeiten. Der Wunsch, ein heikles Thema in die Gesellschaft zu bringen und gegen Stigmatisierung zu arbeiten.“
(Regionalgruppe Duisburg)

 

 

„Die Wiederanfragen zum Projekt von Schulen bzw. Lehrkräften, die Verrückt? Na und! im Vorjahr zum ersten Mal getestet haben.“
(Regionalgruppe Ansbach)

 

 

Presseschau: Neues aus dem Saale-Holzland-Kreis

„Die Regionalgruppe Saale-Holzland freut sich über weitere Unterstützung.", schreibt die Ostthüringer Zeitung am 19. Januar 2019.

„Das Jahr 2018 war für uns sehr erfolgreich. Wir waren bei zwölf Projekten an Regelschulen, Gymnasien und der Fachschule für Landwirtschaft präsent – und das in einem Einzugsbereich von Crossen an der Elster bis Dorndorf-Steudnitz“, sagt Walther-Koch, Regionalgruppenkoordinatorin im Saale-Holzland-Kreis. 

15 Aktive, 5 neue persönliche ExpertInnen, eine voll motivierte Gruppe: solche positive Nachrichten zum Jahresbeginn freuen uns ganz besonders. Besonders weil wir wissen, dass es 2018 in vielen unserer Regionalgruppen ähnlich gut gelaufen ist. Bisher wurden bundesweit 814 Verrückt? Na und!-Schultage gemeldet. 

Ein herzliches Dankeschön an Frau Walther-Koch und ihr Team  – stellvertretend für all unsere Kooperationspartner. Nur durch unsere engagierten Regionalgruppen können wir deutschlandweit an Schulen aktiv sein.

 

Verrückt? Na und!-Menschen: Aus dem Furchtbaren etwas Fruchtbares machen!

Ich heiße Insa Schmitter: Wieso ich mich bei Psychisch fit lernen, studieren und arbeiten engagiere?

Mit meinen 26 Jahren liegt die Schule, das FSJ und die Ausbildung noch nicht lange hinter mir – Abschnitte, die wir alle durchlaufen, mit mal mehr, mal weniger Hürden und Schwierigkeiten. Ich habe all diese Abschnitte hindurch mit einer psychischen Erkrankung bewältigen müssen. Ich hatte weder Hilfe an meiner Seite, noch wusste ich, wo und wie ich welche bekommen konnte. Hätte ich in diesen Jahren einen Projekttag wie „Verrückt? Na und!“, einen in Sachen „Umgang mit Krisen“ geschulten FJS-Anleitenden oder ein Seminar zum Thema „Psychisch fit studieren“ gehabt, so hätte ich mich sicherlich nicht nur früher in eine medizinische Behandlung begeben, sondern hätte auch gewusst:

1.) Wie ich mir selbst helfen kann.

2.) dass es voll in Ordnung ist, wenn man sich schlecht fühlt, oder „komische Sachen“ (= Symptome) erlebt, die einen zunehmend entgleiten.

3.) dass man sich Hilfe holen und wo man sie finden kann.

4.) dass man nicht alleine ist

5.) dass andere einen wahrnehmen und einem vielleicht sogar Hilfe anbieten.

 

Hätte ich einen solchen Projekttag in diese jungen Jahren mit meiner psychischen Erkrankung erlebt, so hätte ich Sicherheit, Verbundenheit und Orientierung erfahren können – Dinge, die einem ja ganz besonders abhanden kommen in einer psychischen Krise. Und so ein Projekttag kann der erste Schritt sein, den Mut zu finden, Hilfe zu suchen, oder auch, die Dinge überhaupt erst einmal besser zu verstehen.

Und natürlich muss man auch noch nicht psychisch krank sein, damit ein solcher Tag einem für das ganze Leben etwas zu bringen vermag: So wie man weiß, dass man sich bei Bauchschmerzen eine Wärmflasche und einen Tee macht, so weiß man sich nun ebenso zu helfen, wenn man seelische Schmerzen hat und kann intervenieren. Man lernt außerdem, nicht nur auf sich selbst zu schauen, sondern auch auf seine Mitmenschen zu achten, wird sensibler und verständnisvoller. All das trägt ungemein viel dazu bei, gesund zu sein, zu bleiben – oder im Falle einer schon bestehenden Erkrankung – zu werden.

Ich engagiere mich als Persönliche Expertin an diesen Projekttagen, weil ich natürlich gerne meine Erfahrungen weitergeben und aus dem Furchtbaren etwas Fruchtbares gestalten möchte, aber auch, weil ich denke, dass der Umgang mit seelischen Krisen und das Wissen darum ebenso selbstverständlich sein sollte wie es die Feuerübung in der Schule, oder der Erste-Hilfe-Kurs vor dem Führerscheinerwerb sind. Dinge, die alltäglich sind und wichtig zu wissen, um sich und anderen im Fall der Fälle gut helfen zu können.

Ich bin sehr dankbar, dass es ein solches tolles Präventionsprojekt gibt, ich dabei sein und es unterstützen darf. Und ich bin tief davon überzeugt, dass jeder etwas aus diesem Tag für sich mitnimmt und sich daran zurück erinnern wird, wann immer er eine Krise erlebt (und wenn sie erst 20 Jahre später auftritt).  So wie ich als Schülerin, FSJlerin und Auszubildende ganz sicher etwas daraus mitgenommen und mir viel, viel eher Hilfe ersucht hätte, wenn es einen solchen Tag vor vierzehn Jahren an meiner Schule oder im Ausbildungsbetrieb gegeben hätte.

Mein Lebensspruch: Da hab ich keinen, dafür ein Mutmach-Lied von Rolf Zukowski: „Ich schaff das schon“. Und ich lasse mich von zwei Dingen leiten, die ich durch meine chronische psychische Erkrankung gelernt habe: 1. Die selbstverständlichsten Dinge sind die wertvollsten Dinge. Ich bin tief dankbar, sie wieder erleben zu dürfen. 2. Man darf sich ganz getrost mehr auf sein Bauchgefühl verlassen. Es trügt nie.

Mein Wunsch für 2019: Endlich zu studieren (Psychologie)! Und ganz sehr das genießen, was ich wiedererlangt habe… 

Welttag Seelische Gesundheit: Ein persönlicher Experte berichtet

Zum Welttag der seelischen Gesundheit gab es vielfältige Aktionen, um auf das Thema aufmerksam zu machen.
Unsere Regionalgruppe in Gießen beteiligte sich beispielsweise an einer Informationsveranstaltung an der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie Gießen.
Einer ihrer persönlichen Experten gab auch der Presse Einblick in seine Lebensgeschichte, die er sonst während der Verrückt? Na und!-Schultage erzählt.
Herausgekommen ist ein wunderbarer Artikel. Viel Freude beim Lesen!

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Verrückt? Na und! – Ein Erfahrungsbericht

Ich heiße Sabine Schaub, bin 48 Jahre und wohne im Lahn-Dill-Kreis, Hessen.

Seit Januar 2015 wirke ich bei dem Projekt Verrückt? Na und! als Expertin mit. Wir gehen zu zweit in Schulklassen und Ausbildungsbetriebe, um Jugendliche über seelische Gesundheit aufzuklären. Meine Aufgabe als Experten ist es, den Schülern meine persönliche Geschichte über meine psychische Krise (Depressionen und Psychose) zu erzählen.

Sabine Schaub © Sabine Schaub

Nach einmaligem Hospitieren entschied ich mich sofort das Projekt zu unterstützen. Ich wollte unbedingt dabei sein! Da es immer noch sehr viele Vorurteile in unserer Gesellschaft über psychische Erkrankungen gibt, finde ich es unglaublich wichtig diese Thematik in die Schulen zu bringen. Mit diesem Projekt kann ich der Stigmatisierung psychischer Erkrankungen entgegenwirken.

Es kann jeder bei Verrückt? Na und! persönlicher Experte werden, der in seinem Leben eine psychische Erkrankung gemeistert hat. Zudem die Kraft und den Mut hat vor Jugendlichen zu sprechen. Jeder wird in einer eintägigen Ausbildung geschult. Es ist ein Ehrenamt.

Jede Klassendynamik und auch die Schüler sind verschieden, aufgrund dessen ist jeder Projekttag anders. Diese Tage sind für mich unglaublich spannend.
Ein Projekttag besteht aus drei Teilen. In den ersten zwei Teilen unterstütze ich den Moderator.

Der dritte Teil ist für mich reserviert. Wir sitzen alle im Stuhlkreis. Als erstes erwähne ich offen, dass ich psychisch krank bin. Meist schaue ich in erstaunte Gesichter, kein Schüler rechnet damit. Die meisten Jugendlichen gehen davon aus, man sehe einem Menschen seine psychische Erkrankung an. Dieses Vorurteil räume ich mit diesem einem Satz aus. Den Moment finde ich unglaublich wichtig. Einige erwähnen sogar am Schluss, dass sie niemals gedacht hätten, dass ich psychisch krank sei. Anschließend erzähle ich meine Geschichte über die Erfahrungen mit meiner psychischen Erkrankung (bipolare Störung, Psychose) und die damit verbundene Lebenskrise. Es beeindruckt mich immer wieder, wie gebannt die Schüler mir zuhören. Man könnte im Klassenraum eine Stecknadel fallen hören. Ich spüre, wie sie sich für meine Geschichte interessieren und mich ernst nehmen. Anschließend dürfen sie mir Fragen stellen. Die meisten sind sehr neugierig und nutzen dies ausgiebig.

Am Ende der Fragerunde gebe ich ihnen mit auf den Weg, dass bei einer psychischen Erkrankung die Seele krank ist. Sie ist mit einer körperlichen Erkrankung gleichzustellen. Wenn sie sich ein Bein brechen, gehen sie zum Arzt. Bei einer psychischen Erkrankung ist die Seele gebrochen, sie möchte auch behandelt werden. Es wäre fatal keinen Arzt aufzusuchen, wenn sie über einen längeren Zeitraum nicht mit ihrem Leben zurechtkommen. Es ist unglaublich wichtig sich Hilfe zu holen. Depressionen können unbehandelt zum Suizid führen, sind aber gut behandelbar. Am Ende des Projekttages bekommen die Schüler Adressen von Beratungsstellen.

Diese Botschaft weiterzugeben ist mir ein großes Anliegen und motiviert mich weiter bei dem Projekt Verrückt? Na und! mitzuwirken. Erreiche ich nur einen Jugendlichen damit, dann hat sich der Einsatz für mich gelohnt. Ich hoffe natürlich, dass es sehr viel mehr sind (am liebsten alle), doch das ist Wunschdenken meinerseits.
Aufgrund der Tatsache, dass ich mit meiner psychischen Erkrankung offen umgehe, zeige ich den Jugendlichen, dass man damit durchaus gut leben kann und es möglich ist trotzdem authentisch zu sein.

Wir machen eine Abschlussrunde und wollen von den Jugendlichen wissen, wie ihnen der Projekttag gefallen hat, ob wir etwas ändern können. Was sie gut fanden und was schlecht? Nur so können wir Dinge in Zukunft verbessern. Zudem möchten wir von ihnen wissen, ob und was sie an diesem Tag mitnehmen konnten. Keiner muss, alle können antworten…
Den meisten Schülern gefällt der Projekttag. Manche stellten sich darunter vor, dass wir Vorträge über psychische Erkrankungen halten. Sie sind dann positiv überrascht. Viele nehmen etwas mit nach Hause. Jeder für sich das, was er braucht.

In der Abschlussrunde sprechen mir die meisten ihren Respekt für meinen Mut aus, weil ich ihnen offen meine Geschichte erzähle. Ich erfahre eine sehr große Wertschätzung von den Jugendlichen. Ich bin immer wieder auf´s Neue berührt und gerührt.

Sabine Schaub

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https://www.facebook.com/WeginsLicht 

Sabine Schaub wurde im Jahre 1970 im Lahn-Dill-Kreis (Hessen) geboren. Dort wuchs sie auf und lebt heute noch dort. Mit 16 Jahren erkrankte sie an Morbus Crohn (chronische Darmentzündung). Sie absolvierte eine Ausbildung als Arzthelferin erfolgreich. Sie wurde 1994 erwerbsunfähig. 2001 heiratete sie und bekam noch im gleichen Jahr eine gesunde Tochter. Durch die Grunderkrankung Morbus Crohn war sie vier Mal in ihrem Leben in psychosomatischen Kliniken. In Jahr 2013 erkrankte sie an einer Psychose. Die Autorin schrieb das Buch „Als mich das Glück fand", um die Erlebnisse zu verarbeiten. Sie veröffentlichte es, um anderen Menschen Mut zu machen und nicht zu Verzweifeln.

In der Presse: Verrückt? Na und! in „Kinder Spezial“

Kinder Spezial Nr. 61

Kinder Spezial ist eine Zeitschrift über Kinder und Jugendliche mit besonderen Bedürfnissen. Nummer 61 nimmt psychische Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen in den Blick – da dürfen starke Unterstützungsangebote nicht fehlen. Auf den Seiten 26 und 27 schreibt Dr. Manuela Richter-Werling  über „Verrückt? Na und!: Seelisch fit in der Schule".

Den vollständigen Artikel als PDF lesen: www.irrsinnig-menschlich.de/VNU_Kinder-Spezial Nr. 61.pdf 

Grant Hendrik Tonne – neuer Schirmherr für Verrückt? Na und! in Niedersachsen

Aufwind in Niedersachsen: Kultusminister Grant Hendrik Tonne hat die Schirmherrschaft zum Ausbau unseres Präventionsprogrammes Verrückt? Na und! übernommen!

„Die Schule ist für junge Menschen nicht nur ein Lern-, sondern auch ein Lebensort. Durch den Ausbau der Ganztagsschulen in Niedersachsen gilt dies in zunehmendem Maße. In der Schule treten daher auch Krisen zutage, die oftmals aus den Erfahrungen der Schülerinnen und Schüler in ihren Familien, ihrer Freizeit oder ihrem Freundeskreis herrühren. Uns ist es daher wichtig, die soziale Kompetenz der Schülerinnen und Schüler zu stärken. Dabei legen wir den Schwerpunkt auf Maßnahmen, die einen präventiven Ansatz verfolgen.

Die Schule kann ein Frühwarnsystem für seelische Krisen sein. Dazu bedarf es eines geschützten Raums, in dem offen und wertschätzend kommuniziert werden kann. Das Präventionsprogramm „Verrückt? Na und! Seelisch fit in der Schule“ schafft diesen Rahmen und ermöglicht es jungen Menschen, gemeinsam mit ihren Klassenlehrkräften, fachlichen und persönlichen Expertinnen und Experten auf Augenhöhe zu begegnen und so mehr über sich selbst, ihre Mitschülerinnen und Mitschüler und den Umgang mit schwierigen Lebenssituationen zu erfahren. Das macht junge Menschen stark und daher habe ich auch sehr gerne die Schirmherrschaft für das Projekt übernommen.“

Verrückt? Na und! – Auftaktveranstaltung in Rheinland-Pfalz

Bisher nur in Mainz und hoffentlich bald auch in anderen Städten in Rheinland-Pfalz. Zur Auftaktveranstaltung von Verrückt? Na und! kamen fast hundert Teilnehmer aus kommunalen Einrichtungen, Vereinen und Verbänden. Gemeinsam wollen wir Verrückt? Na und! weiter ausbauen, damit mehr Schüler den Schultag erleben!

Neue Schirmherrin für Verrückt? Na und! in Rheinland-Pfalz

Wir freuen uns über eine neue Unterstützerin! Dr. Stefanie Hubig, Ministerin für Bildung des Landes Rheinland-Pfalz hat die Schirmherrschaft für unser Programm „Verrückt? Na und!" übernommen.

„Zu lernen, wie man mit seelischen Krisen umgehen und sie bewältigen kann, ist ein wichtiger Teil der Persönlichkeitsentwicklung. Die Schule als zentraler Lern- vor allem aber auch Lebensort, begleitet junge Menschen bei dieser Entwicklung und kann Halt und Unterstützung bieten. Bei „Verrückt? na und!“ erfahren Schülerinnen und Schüler, dass Krisen normal sind und dass es wirksame Wege gibt, kritische Lebenssituationen erfolgreich zu bewältigen. Damit trägt das Präventionsprogramm auf der einen Seite zur Enttabuisierung von psychischen Erkrankungen bei und hilft gleichzeitig, die Resilienz der Jugendlichen zu fördern.“