Fakten und Zahlen

Fakten + Zahlen

Häufigkeit

Versorgung

Ökonomie

Gesellschaft

 

Akzeptanzstudie

Psychische Störung - EU

 zu psychischen Erkrankungen in Deutschland

 

1. Häufigkeit

 

Etwa jeder dritte Mensch hat bereits einmal in seinem Leben eine behandlungsbedürftige psychische Krise oder Krankheit durchlebt oder leidet noch an ihr.

Jeder dritte Notarzteinsatz hat mit psychischen Krisen zu tun.

Zwischen 1,6 und 4 Millionen Menschen suchen jährlich in Deutschland psychiatrische Hilfe, 400.000 von ihnen werden stationär behandelt.

Zu den schwerwiegendsten psychischen Erkrankungen zählen Schizophrenie (1 Prozent der Bevölkerung, rund 800.000 Betroffene in Deutschland), bipolare Erkrankungen (etwa 4 Mio. Erkrankte) und Depressionen (mehr als 3 Mio. Erkrankte).

Über 10% der Bevölkerung wird einmal im Leben depressiv; 15% der Betroffenen verüben Suizid, 56% unternehmen den Versuch.a

Jüngere Menschen zwischen 15 und 34 sind immer stärker von psychischen Gesundheitsproblemen wie Angststörungen und Depressionen betroffen.

Jeder Fünfte über 80 ist von Demenz betroffen. Insgesamt leiden schätzungsweise 900 000 Menschen an Demenz. Bis 2020 wird die Zahl auf etwa 1,4 Millionen steigen.

Von 100 erkrankten Menschen suchen derzeit etwa 35 professionelle Hilfe.

 

2. Versorgung

 

Die Basis-Versorgung insbesondere von Menschen mit schweren chronischen psychischen Erkrankungen ist völlig unzureichend. Das liegt an der viel zu geringen Anzahl von niedergelassenen Fachärzten für Psychiatrie und Psychotherapie sowie an der massiven Unterfinanzierung der psychiatrischen Basisversorgung. So stehen pro Arzt und Patient nur 40 Euro pro Quartal zur Verfügung, was real zwei Patientenkontakte in einem Vierteljahr erlaubt.

Immer weniger Ärzte müssen immer mehr Patienten in kürzerer Zeit behandeln.

Im Durchschnitt dauert es sieben Jahre, ehe Patienten mit psychischen und psychosomatischen Erkrankungen, die Hilfe bekommen, die sie brauchen.

Eine rechtzeitige bestmögliche Behandlung verbessert die Heilungschancen erheblich, verhindert Rückfälle, verringert Leid und Kosten.

Gravierende Versorgungsdefizite gibt es nach wie vor bei Betreuung von Patienten mit Alzheimer und Demenzerkrankungen.

 

3. Gesundheitsökonomische Aspekte

 

Fast zehn Prozent der Fehltage bei den aktiv Berufstätigen haben mit seelischen Gesundheitsproblemen zu tun. Am stärksten betroffen sind junge Frauen und Männer zwischen 15 und 34 Jahren! (DAK-Report 2005; Gutachten des „Sachverständigenrates zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen“)

 

Frühverrentungen:

Schizophrenie und Depressionen zählen zu den zehn häufigsten Gründen für eine Frühverrentung bei Männern; bei Frauen stehen Depressionen an erster Stelle.

Im Vergleich zum Jahr 2000 stieg die Anzahl der Rentenanträge wegen Depressionen bei Männern um 23 Prozent, die Anzahl der Anträge aufgrund von Schizophrenie um 41 Prozent.

Im Jahr 2002 wurden über 7600 Frauen aufgrund von Depressionen zu Frührentnerinnen, 37 Prozent mehr als noch vor zwei Jahren.

Die wirtschaftlichen Kosten psychischer Gesundheitsprobleme belaufen sich schätzungsweise auf 3 bis 4 Prozent des Bruttoinlandsprodukts.

 

4. Psychisch kranke Menschen in unserer Gesellschaft

 

Entgegen dem Meinungsbild der Allgemeinbevölkerung sind psychisch kranke Menschen nicht häufiger gewalttätig als „medizinisch Gesunde“.

Entgegen dem Meinungsbild der Allgemeinbevölkerung sind psychisch kranke Menschen auch nicht Schuld an ihrer Erkrankung. Kein Mensch kann sich seine Erkrankungen aussuchen. Leben ist Risiko und Herausforderung.

Das Wissen der Bevölkerung über psychische Erkrankungen hat in den letzten zehn Jahren zugenommen. Gewachsen ist aber gleichzeitig der Wunsch nach sozialer Distanz. Bei einer Befragung 1990 hatten nur 20 Prozent der Menschen angegeben, einen schizophren Erkrankten würden sie nicht als Kollegen akzeptieren; bei der Folgebefragung 2001 waren es bereits 30 Prozent (Prof. Angermeyer, Universität Leipzig, 2001).